Compass: Diakonie-Caritas Haus feierlich eröffnet

Einzigartiges Pilotprojekt in Nordhorn vereint Beratungsdienste der Kirchen

Bereits seit einem Monat wird der rote Klinkerbau in Nordhorn mit seinen farbig schimmernden Glasfenstern eingerichtet, die kirchlichen Beratungsdienste haben nach und nach ihre Arbeit aufgenommen. Der „Compass“, wie das neue Haus der Diakonie und der Caritas heißt, richtet sich nach fünfeinhalbjähriger Planungs- und Bauzeit aus. Die Hardware sei fertig, nun komme es auf die Software an, begrüßte der Präses des reformierten Synodalverbands, Heinz-Hermann Nordholt am Montag, 12. Juni 2017, zur offiziellen Eröffnung zahlreiche Gäste.

Die leitenden Geistlichen der beteiligten Konfessionen, der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher, der evangelisch-lutherische Regionalbischof Detlef Klahr und der katholische Bischof Franz-Josef Bode, waren gekommen, um dem ökumenischen Beratungshaus ihren Segen zu geben. „Hilfe, auch professionelle Hilfe, beginnt immer mit dieser Bewegung des Herzens, die den Menschen wahrnimmt“, erläuterte Detlef Klahr die Bedeutung des Gebäudenamens im gemeinsamen geistlichen Grußwort. Die Hilfsangebote des Hauses und die Mitarbeitenden seien wie ein Kompass ausgerichtet in Richtung Barmherzigkeit.

Mehrere Talkrunden zeigten das Konzept und den Werdegang dieses bundesweit einmaligen Pilotprojekts auf. Insgedamt wurden gut drei Millionen Euro investiert. Franz Loth, Direktor des Caritasverbands Osnabrück betonte, dass die Kirchen ihre Beratungsangebote als Selbstverpflichtung sehr ernst nähmen und dass dieses in bewährter ökumenischer Zusammenarbeit in der Grafschaft nun ganz neu möglich sei. „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“, ergänzte der Grafschafter Caritasgeschäftsführer Hermann Josef Quaing.

In dem als Niedrigenergiehaus umgesetzten Objekt mit 30 Büros auf vier Etagen sind alle Beratungsangebote der drei Kirchen nach Fachgruppen, nicht nach Konfessionen geordnet. Dazu gehören die Freiwilligendienste, die Schuldner- und Insolvenzberatung, Suchtberatung und Schwangeren- sowie Schwangerschaftskonfliktberatung und Unterstützung von Migranten. Die allgemeine Sozialberatung, die Wohnungslosenhilfe und eine Altentagesstätte runden das Angebot ab. Die Mitarbeitenden der drei kirchlichen Wohlfahrtsorganisationen wirken trägerübergreifend zusammen.

Die Geschäftsführerin der lutherischen Diakonie des Kirchenkreises, Dorothea Währisch-Purz bewertete die Umstellung aber auch für die Klienten des Hauses: „Der Vorteil für die Ratsuchenden sind kürzere Wege, der Wegfall von drei Einzelstandorten und die Möglichkeit, alle Beratungsangebote unter einem Dach zu finden. Oder auch nur in der Cafeteria unten zu sitzen, um Kraft und Mut zu sammeln für den ersten Schritt.“ Erste Rückmeldungen, so Quaing seien bislang nur positiv. Die Freude der Klienten über die vielen Angebote im hellen Gebäude durch die freundlichen Mitarbeitenden lösten eine Art Aufbruchsstimmung aus, so der Caritasgeschäftsführer.

„In der Grafschaft gibt es eine große Bereitschaft, ökumenisch zu denken und zu arbeiten“, sagte die reformierte Pastorin Beatrix Sielemann-Schulz. Deshalb sehe sie das „Compass Haus“ als bleibende Aufgabe für die Mitarbeitenden und das christliche Profil. Bürgermeister Thomas Berling wertet das neue Haus als „Kompetenzzentrum für Hilfe“. Als solches solle es sich gut einprägen. Den Menschen sei es wichtig, Hilfe und Beratung zu finden, die Glaubensrichtung sei da erstmal zweitrangig. Der barmherzige Samariter frage nicht danach, wer einer ist, oder woher er komme, sondern wir ihm geholfen werden könne.

Von Ulrich Hirndorf
14. Juni 2017

Bild oben: Synodalpräses Heinz Hermann Nordholt (2.v.links) nahm für den Synodalverband Grafschaft Bentheim als Bauträger symbolisch den Schlüssel des neuen ökumenischen Beratungshauses aus der Hand von Architekt Gerold Potgeter entgegenden. Zuvor hatten Kirchenpräsident Martin Heimbucher, Bischof Franz Josef Bode (Bistum Osnabrück) und Regionalbischof Detlef Klahr (Ev.-luth. Sprengel Ostfriesland-Ems) das neue Kompetenzzentrum "Compass" mit einem Segensgebet eröffnet (Foto: Ulrich Hirndorf)

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