Niedersachsen feiern Versöhnungsgottesdienste

Healing of Memories: Konfessionen betonen in Osnabrück Gemeinsamkeiten

Mit ökumenischen Gottesdiensten haben die großen Kirchen in Niedersachsen Zeichen der Versöhnung gesetzt. Protestanten und Katholiken betonten, sie eint mehr, als sie voneinander trennt.

Die evangelischen und katholischen Bischöfe in Niedersachsen haben in bewegenden Buß- und Versöhnungsgottesdiensten dazu aufgerufen, ihre Gemeinsamkeiten zu stärken. „Die Versöhnung bleibt der Auftrag, gerade auch dann, wenn das Verschiedene zurzeit noch nicht in allen Punkten überwunden werden kann", sagte der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Ralf Meister, am Sonntag in Osnabrück.  Unter der Überschrift „Healing of memories“ luden die christlichen Kirchen am Wochenende bundesweit zu entsprechenden Gottesdiensten zur Feier des 500. Reformationsgedenkens in diesem Jahr ein.

Der katholische Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sagte in der evangelischen St. Katharinen Kirche, die Spaltung der Konfessionen habe immer wieder das Licht verdunkelt, das die Welt vom Evangelium her erleuchten wolle. „Vielleicht entdecken wir in diesem Jahr eine neue Sehnsucht nach Einheit, die die zerrissene, zerfetzte Welt so dringend braucht.“ Er unterstrich das Engagement der Protestanten in ihren Gemeinden als lebendiges Zeugnis des Glaubens und fügte hinzu: „Es ist auch für die katholische Kirche wichtig zu erkennen, dass ein Mensch nicht aus Werken des Gesetzes, sondern aus dem Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt wird.“

Der hannoversche Landesbischof Meister würdigte die katholische Kirche als Weltkirche, die Nationen, Sprachen und Kulturen miteinander verbinde. Beide Bischöfe versicherten sich gegenseitig: „Wir danken Gott, dass es Sie gibt und dass Sie den Namen Jesu Christi tragen.“

Der Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns erinnerte daran, dass Menschen um ihres Glaubens willen „verfolgt und vertrieben, gefoltert und getötet“ worden seien. Landesbischof Karl-Hinrich Manzke aus Bückeburg sagte, „wir glauben, dass Jesus Christus die Wunden heilt, die menschlicher Hochmut gerissen hat“. Der evangelisch-reformierte Kirchenpräsident Martin Heimbucher aus Leer sagte, die Kirchen verpflichteten sich, „auf dem Weg des ökumenischen Lernens kontinuierlich voranzuschreiten.“ Zuvor hatte Heimbucher bereits betont zuvor, wie eng die ökumenische Gemeinschaft an vielen Orten gelebt werde. „Miteinander sind unsere Kirchen  zum gemeinsamen Reden und Handeln in wichtigen gesellschaftlichen Fragen gefordert“, so Heimbucher.

In Oldenburg riefen am Sonntagabend der evangelische oldenburgische Bischof Jan Janssen und der katholische Weihbischof Wilfried Theising die Protestanten und Katholiken zu Versöhnung auf. „Da ist kein Platz mehr für Misstrauen, Feindschaft und Abgrenzung“, sagte Theising in der evangelischen Lambertikirche in Oldenburg. Gemeinsam richteten die Bischöfe im Gottesdienst ein Kreuz auf.

Der Prozess „Heilung der Erinnerung“ gehört zu einer gemeinsamen Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Bereits am Sonnabend setzten die beiden Kirchen mit einem live von der ARD übertragenen Buß- und Versöhnungsgottesdienst in der Michaeliskirche in Hildesheim ein Zeichen. Daran nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) teil.


Hintergrund: Healing of Memories

Die Evangelische und katholische Kirche in Deutschland suchen zum Reformationsjubiläum gemeinsam nach Wegen zur Versöhnung. Für das „Healing of Memories“, deutsch: „Heilung der Erinnerungen“, gibt es weltweit Vorbilder.

So stand der Versöhnungsprozess nach dem Ende der Apartheid in Südafrika unter der Überschrift „Healing of Memories“. Vertreter der Kirchen waren maßgeblich daran beteiligt. Im engeren Sinn ist „Healing of Memories“ ein seelsorgerlich-therapeutisches Verfahren in der Täter-Opfer-Arbeit. In den vergangenen Jahren wurde der Begriff aber auf Aussöhnungen zwischen Religionsgemeinschaften, Kulturen und Volksgruppen erweitert, zum Beispiel in Nordirland, Bulgarien, Ungarn, Serbien und Bosnien-Herzegowina.

„Heilung der Erinnerungen“ sieht vor, dass die Beteiligten für einen bestimmten Zeitraum Begegnungen vereinbaren, sich ihre Geschichte erzählen und ihre Sicht auf Konflikte schildern. Dabei soll deutlich werden, was man selbst erlitten und was man dem anderen angetan hat.

„Healing of Memories“ meint Heilung der und auch durch Erinnerungen. Zum einen sollen Wunden und Narben sich verschließen, indem man über das Erlebte spricht (Heilung der Erinnerungen). Zum anderen soll Heilung durch Erinnerungen möglich werden, indem man seinen Blick weitet.

12. März 2017 - Evangelischer Pressedienst (epd)

Bild oben: Landesbischof Ralf Meister (rechts) und Bischof Franz-Josef Bode (2.v.r.), daneben: Gabriele Lachner (ACK-Niedersachsen), Kirchenpräsident Martin Heimbucher, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), Landesbischof Christoph Meyns,  Domkapitular Reinhard Molitor. Am Gottesdienst in Osnabrück nahmen neben Kirchenpräsident Martin Heimbucher weitere Reformierte teil: Pastor Günter Baum aus Osnabrück als Vorsitzender der örtlichen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und Pastorin Christine Kimmich aus Leer für die ACK Niedersachsen. (alle Fotos: Thomas Osterfeld)

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