Evangelisch-reformierte Gemeinde Pilsum

Die Pilsumer Kreuzkirche verdankt ihre architektonische Qualität der Verbindung mittelalterlicher Gestaltungselemente unterschiedlicher Herkunft. Das Langhaus ist aus der heimischen Tradition ostfriesischer Einraumkirchen entwickelt. Chor und Querschiffe gestalten in Vergrößerung des Langhauses das Gotteshaus als Kreuz, dessen Form durch die Chorapsis und die beiden Nebenapsiden horizontal aufgelockert wird. Weithin sichtbar von Meer und Land überragt der quadratische Vierungsturm Kirche und Ort Pilsum.

Im Inneren der Kirche wird die Kreuzform außer durch die Apsiden durch die von Marienfelder Bauleuten gestalteten Gewölbe über Vierung, Chor und Querschiff belebt. Das Besondere an unserer Kirche besteht darin, daß hier ein Konzept mittelalterlicher Formgebung etwa um 1200 erdacht und binnen eines Menschenalters verwirklicht worden ist. Das Innere der Kreuzkirche hat sich Gestaltungselemente aus unterschiedlichen Epochen erhalten. Zusammen entstanden die bronzene Klinghe-Taufe mit den ornamentalen und gegenständlichen Malereien, die dem Jahr 1470 zuzuordnen sind. Die Möblierung ist durchgängig in Eichenholz gestaltet. Sie besteht aus der 1694 von dem Auricher Orgelbauer Grotian geschaffenen Orgel mit 16 Registern und über 925 Pfeifen. Die 1704 von dem Emder Peter Gerkes Husmann erarbeitete Kanzel entspricht in statischer Konstruktion und ästhetischer Gestaltung einem geschmückten Schiffsbug der damaligen Zeit. Abendmahlstisch, Stühle und Bänke wurden 1993 ebenso gestaltet und hergestellt wie die Wandbeleuchtung.

Seit ihrer Erbauung ist die Kreuzkirche nur solchen baulichen Veränderungen ausgesetzt gewesen, die das Gestaltungskonzept nicht wesentlich beeinträchtigt haben. Sie geschahen teils aus Gründen der geänderten Anforderungen bei der gottesdienstlichen Nutzung; sie waren vor allem aber auch aus Gründen der Bestandssicherung des Bauwerks notwendig. So wurden die Nord- und Südeingänge des Langhauses geschlossen und durch das sich bei Kirchen durchsetzende Westportal ersetzt. Gleichfalls im Langhaus sind an die Stelle der romanischen Fenster - wie sie im Chor verblieben sind - große, viel Licht gebende Fenster getreten. Der Dachstuhl wurde erhöht, die Wände des Langhauses entsprechend kleinzieglig höher gemauert und schließlich die Flachdecke des Langhauses durch eine den Raum auflockernde Muldendecke ersetzt.

Besondere Aufmerksamkeit lenkt auch der Vierungsturm auf sich, der infolge des ungenügend festen Grundes der Warf immer wieder in Bewegung geriet, so daß schon im Mittelalter die Glocken aus ihm heraus und in einen neu gebauten Glockenturm verbracht werden mußten.

Alle diese Veränderungen sind bei unserer Restaurierung bewußt deutlich sichtbar geblieben. Bei unseren Maßnahmen stand die statische Sicherung des Bauwerks im Mittelpunkt; sie erscheint uns gelungen. Nicht dauerhaft lösen können wir nach dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens die Probleme, die aus der klimatischen Situation an der Küste des Wattenmeeres mit ihrer feuchten und salzhaltigen Luft folgen. Der Besucher kann entsprechend neue und alte Schadensbilder am Turm und an der Nordseite des Bauwerks beobachten. Besonders bedauern wir, daß es bisher nicht gelungen ist, die mittelalterlichen Deckenmalereien dauerhaft zu sichern. Der Besucher kann besonders an den Fragmenten des Jüngsten Gerichts am Triumphbogen zwischen Langhaus und Vierung sehen, mit welchen Mitteln wir versucht haben, die Restbestände dieser wertvollen Malerei zu bewahren. Die Arbeiten an der Kreuzkirche wurden mit der Gestaltung der Außenanlagen um den Friedhof eingebunden in Maßnahmen zur Qualifizierung der Ortsstruktur im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes des Landes Niedersachsen.

Die Pilsumer Kreuzkirche ist als Baudenkmal von nationaler Bedeutung in den Jahren 1976 bis 1994 restauriert worden. Sie war seit ihrer Erbauung der wesentliche Raum für den Gottesdienst der Menschen in Pilsum. So haben die gewählten Vertreter der Kirchengemeinde auch bei der Restaurierung dafür gesorgt, daß aus dem Bauwerk kein Museum wird. Die Kirche ist und bleibt der lebendige Mittelpunkt der reformierten Gemeinde in Pilsum, in der sie sich zum Gottesdienst versammelt. Die Pilsumer Gemeinde folgt seit der Reformationszeit besonders den Lehren Calvins. Reformierte Gemeinden feiern ihren Gottesdienst mit Gebet, Bibellesungen, Predigt und Psalmengesang. Zur besonderen Ausstattung einer reformierten Kirche gehört der Abendmahlstisch, dagegen gibt es kein Kreuz und keinen Altar.

Führungen werden von März bis Oktober dienstags und donnerstags um 11 Uhr angeboten; von November bis Februar ist die Kirchenbesichtigung sonntags nach dem Gottesdienst und samstags um 17.00 Uhr möglich. Für Gruppen sind nach Vereinbarung auch andere Zeiten möglich.


Kontakt
Name Pastorin Thea Bogena
E-Mail
Telefon 04926/400
Adresse

Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Pilsum
Zur Kreuzkirche 5
26736 Krummhörn

Gebäude der Kirchengemeinde
Evangelisch-reformierte Kirche
Zur Kreuzkirche 5
26736 Krummhörn

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