Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de
„Gott hat Israel zu seinem Volk erwählt und nie verworfen.
Er hat in Jesus Christus die Kirche in seinen Bund hineingenommen.
Deshalb gehört zum Wesen und Auftrag der Kirche, Begegnung und Versöhnung mit dem Volk Israel zu suchen.“
Kirchenverfassung § 1,2
Beauftragte für das Christlich-Jüdische Gespräch
Material für Gottesdienst und Unterricht
Aktuelles:
''Freiraum'' im Deutschen Pfarrerblatt vom Vorstand des Pfarrerverbands begrüßt
Erste Reaktion des Herausgebers zur Kritik an einem israel-feindlichen Beitrag im Deutschen Pfarrerblatt
Widerspruch gegen einen israel-feindlichen Beitrag im Deutschen Pfarrerblatt, August 2011
Eine Konferenz von 38 Organisationen macht die Erneuerung des Verhältnisses von Juden und Christen in Polen zum Thema
Persönliche Eindrücke vom Treffen des International Council
of Christians and Jews (ICCJ) vom 3. bis 6. Juli 2011 in Krakau - von Sylvia
Bukowski
http://reformiert-info.de/7372-0-8-1.html
10 Jahre nach Publikation der GEKE-Studie ''Kirche und Israel''
Am 28. Juni 2011 vor zehn Jahren markierte die GEKE-Studie „Kirche und Israel“ einen Meilenstein in den jüdisch-christlichen Beziehungen. Zu ihrem Jubiläum tagten rund 40 Experten aus Europa in Arnoldshain und riefen erneut zu ihrer Umsetzung auf.
Das abschließende Communiqué im Wortlaut:
Vom 17. bis 19.6.2011 fand im Martin-Niemöller-Haus in
Schmitten-Arnoldshain, Deutschland, die Konsultation „"Kirche und
Israel“ - Eine Bestandsaufnahme“ statt. Anlass der Konsultation, zu der
die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) gemeinsam mit
der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau eingeladen hatte, war das
zehnjährige Jubiläum der Studie „Kirche und Israel“, die sich die 5.
Vollversammlung der Leuenberger Kirchengemeinschaft (heute GEKE) am 24.
Juni 2001 in Belfast einstimmig zu eigen gemacht hatte. Die 38
Teilnehmenden aus 20 Mitgliedskirchen der GEKE in 10 europäischen
Ländern tauschten sich über die Rezeption der Studie „Kirche und
Israel“ und über den Stand der jüdisch-christlichen Beziehungen in
ihren Kirchen aus und verabschiedeten die folgende Erklärung.
1. Die Studie „Kirche und Israel“ von 2001 ist der auf bislang
breitester Basis erarbeitete protestantische Beitrag innerhalb der
jahrzehntelangen Bemühungen um die Erneuerung des christlich-jüdischen
Verhältnisses: Der GEKE gehören 95 protestantische Kirchen in Europa
und Südamerika sowie vier weitere beteiligte Kirchen in Skandinavien
an.
2. Die Studie „Kirche und Israel“ ist ein Teil dieses
Erneuerungsprozesses in den Beziehungen zwischen Christen und Juden;
sie hat in ihrer Entstehungsgeschichte viele Impulse aus diesem Prozess
erfahren und sie hat ihn selber weiter gefördert. Die Studie ist eine
wichtige protestantische Stimme in dem Diskurs der Kirchen über ihr
Verhältnis zum Volk Israel.
3. Die Erneuerung der Beziehungen zwischen den Kirchen und dem Volk
Israel gründet sich im Kern auf folgende Einsichten, die auch die
Studie "Kirche und Israel" prägen:
- die Anerkennung der bleibenden Erwählung des Volkes Israel
- die Erkenntnis der jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens
- die Einsicht in die unlösliche Verbundenheit der Kirche mit Israel
- die Absage an die Judenmission
- die Anerkennung der zentralen Rolle des Staates Israel für das
Judentum, bei gleichzeitigem Bemühen um eine gerechte und friedliche
Lösung des Nahostkonflikts
- das Eingestehen christlicher Mitverantwortung und Schuld an der Schoa
- die Unvereinbarkeit des Antisemitismus und aller Formen von Judenfeindschaft mit dem christlichen Glauben
4. In vielen Ländern Europas konnten in den letzten Jahren die
Beziehungen zwischen den Kirchen und den jüdischen Gemeinschaften
verbessert werden. Dabei erleben wir, dass sich die Themen und Inhalte
der Begegnungen und das Gedenken an die Schoah unterschiedlich
entwickeln. Die Einsicht in die christliche Schuldgeschichte und das
Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, z.B. durch das
Sichtbarmachen ihrer Namen, halten wir für ebenso notwendig wie
heilsam. Zugleich bitten wir unsere Kirchen, vermehrt Begegnungen zu
ermöglichen, in denen Christen die jüdische Religion und
zeitgenössisches jüdisches Leben kennen lernen können. Im Arbeiten an
biblischen Texten, im Anknüpfen an jüdische und christliche
Fest-Traditionen, im spirituellen Austausch wie auch im Engagement für
Frieden und Gerechtigkeit konnten und können vertiefte Einsichten
gewonnen werden, bei denen in gegenseitigem Respekt die Gemeinsamkeiten
und auch die Unterschiede benannt werden können.
An vielen Orten gibt es trilaterale Gespräche zwischen Christen, Juden
und Muslimen. Während wir dies für eine wichtige Entwicklung halten,
weisen wir auf die bleibende, besondere Bedeutung des
christlich-jüdischen Gesprächs hin.
5. Die Studie macht deutlich, dass zentrale theologische Fragen im
christlich-jüdischen Verhältnis der weiteren Bearbeitung bedürfen.
Hierzu zählen die in der Studie kritisch diskutierten Konzepte „zwei
Wege“, „erweiterter Bund“, „Völkerwallfahrt zum Zion“ und das
Verständnis von „Volk Gottes“ in Bezug auf das Judentum und auf die
Kirche. Die Konsultation hat gezeigt, dass es vom Neuen Testament her
keine unstrittigen Begrifflichkeiten für die ekklesiologische
Selbstbesinnung gibt. Es wird angeregt darüber nachzudenken, ob sich,
statt Israel und Kirche unter einen gemeinsamen Begriff wie „Volk
Gottes“ zu subsumieren, biblisch besser begründet von Israel als dem
„Volk Gottes“ und von der Kirche als der „Gemeinde Gottes“ (vgl. u.a.
Apg 20,28; 1Kor 1,2; 10,32; 15,9) sprechen ließe. Allerdings bleiben
auch aus den biblischen Texten übernommene Begriffe wie „Volk“ und
„Gemeinde“ erklärungsbedürftig. Ebenfalls ist weiter zu klären, was die
Vorstellung von der „Kirche aus Juden und Heiden“ heute zu bedeuten
hat. In der weiteren Arbeit sollte das Vorgehen der Studie beachtet
werden, die inakzeptable Positionen (wie z.B. die Substitutionslehre)
ausschließt, dann aber einer möglichen Vielfalt von Positionen Raum
gibt.
6. Die ungelösten Probleme des Nahostkonflikts beeinflussen den
christlich-jüdischen Dialog und führen auch zu Polarisierungen
innerhalb unserer Kirchen. Unsere Kirchen sind herausgefordert, ihr neu
gewonnenes Verhältnis zum Judentum und ihre Verbundenheit mit den
Christen im Nahen Osten in dieser schwierigen Situation zu bewähren. Es
gilt, die Solidarität mit dem Staat Israel zu verbinden mit dem
Engagement für eine selbstbestimmte und friedliche Zukunft der
palästinensischen Gemeinschaft. Die Bibel enthält eine Fülle von
Weisungen, die für das Land und alle, die darin wohnen, segensreiche
Perspektiven eröffnen. Gleichzeitig gilt es, der Instrumentalisierung
biblischer Texte im Nahostkonflikt entgegenzutreten. Wir bitten unsere
Kirchen, Juden, Muslime und Christen in ihrem Einsatz für eine
demokratische und friedliche Zukunft für Israelis, Palästinenser und
ihre Nachbarn zu unterstützen.
7. Die Perspektiven, die in der Studie „Kirche und Israel“ aufgezeigt
sind, betreffen alle Dimensionen des Kirche-Seins. „Die unlösliche
Verbundenheit der Kirche mit Israel … muss … ein durchgängiges Thema
der christlichen Lehre sein“ (S. 50) und in der Gestaltung unserer
Kirchengemeinschaft zur Geltung kommen. Wir empfehlen den
GEKE-Mitgliedskirchen, die Einsichten der Studien „Die Kirche Jesu
Christi“ und „Kirche und Israel“ miteinander ins Gespräch zu bringen,
weiterzudenken und in die weltweite ekklesiologische Diskussion
einzubringen.
8. Wir bitten die Kirchen, die Empfehlungen der Studie „Kirche und
Israel“ in Bezug auf Gemeindearbeit und kirchenleitendes Handeln,
kirchliche Verkündigung und Unterricht, Gottesdienst sowie Aus- und
Fortbildung (s. Teil III) in ihr kirchliches Handeln umzusetzen. Hierzu
empfehlen wir die Sammlung von Best-Practice-Beispielen der Kirchen
Europas durch die GEKE.
Ev. Akademie Arnoldshain, Schmitten/Taunus, Deutschland, 19. Juni 2011
Wien, 28. Juni 2011
>>> weitere kirchliche Stellungnahmen zu Kirche und (Staat) Israel
Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE)-Leuenberger Kirchengemeinschaft, Pressemitteilung, 28. Juni 2011