Das Projekt "Schepken Christi"

"Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation - 500 Jahre Migration" ist das Motto für die Evangelisch-reformierte Kirche im Jahr 2017.

  • Vom 23. Juni bis zum 27. August öffnet eine Videoausstellung an Bord des "Schepken Christi" im Emder Hafen.

Zeitzeugen berichten auf dem Schepken Christi im Emder Hafen

Wer an die Reformation erinnert, muss auch an die Migration erinnern, sagt Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Auf dem "Schepken Christi" erzählen Zeitzeugen aus acht Jahrzehnten in Videos von ihrer Flucht. Sie stehen für weltweit 65 Millionen Flüchtlinge.

Kirchenpräsident Martin Heimbucher

Mit der Videoausstellung an Bord des historischen Segelschiffes erinnert die Evangelisch-reformierte Kirche im Emder Hafen an Flüchtlinge weltweit. Die Schau mit Zeitzeugen-Interviews über Fluchtgeschichten aus den vergangenen acht Jahrzehnten mache deutlich, "dass Flüchtlinge schon immer unter uns gelebt haben und die Integration geflüchteter Menschen zu unserer Kultur gehört", sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher bei der Eröffnung auf der Seetjalk "Anne".

Das Schiff mit dem Projektnamen "Schepken Christi" liegt bis Ende August im Emder Ratsdelft. In achtminütigen Filmen berichten Menschen von ihrer persönlichen Fluchtgeschichte. Darunter sind Vertriebene aus Schlesien, Flüchtlinge, die 1956 nach dem Aufstand ihre Heimat Ungarn verlassen mussten, Boatpeople aus Vietnam, verfolgte Bosnier, Russlanddeutsche, eine Jesidin und ein Syrer, der über das Mittelmeer geflohen ist.

Unter den Monitoren sind in Glasvitrinen persönliche Erinnerungsstücke der Geflüchteten zu sehen. Etwa Musikkassetten und ein Poesiealbum, die eine jugendliche Bosnierin nicht zurücklassen wollte oder ein Krug aus Schlesien, in dem Flüchtlinge Schmalz transportierten. Die Gebetskette seiner Mutter ist das einzige Erinnerungsstück des Syrers Muaffak. Eine andere Frau schleppte als Spätaussiedlerin zwei schwere gusseiserne Waffel-Eisen aus Kasachstan nach Deutschland.

Heimbucher zeigte sich unter dem Eindruck der Berichte tief bewegt. Es sei wichtig, die Menschen ihre Geschichte erzählen zu lassen. "Viel zu lange wurde von Flüchtlingen verlangt, zu arbeiten, sich anzupassen und zu schweigen. Hier kommen sie endlich zu Wort." Die Berichte zeigten auch, "dass aus Fremden Nachbarn und Freunde werden können". Der Theologe dankte den Menschen für ihre Bereitschaft, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. "Sie stehen stellvertretend für die derzeit 65 Millionen Flüchtlinge weltweit."

Emdens Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) erinnerte daran, dass die Stadt im 16. Jahrhundert Tausende Flüchtlinge aufgenommen habe und dabei ihre Blütezeit erlebte. Migranten seien bis heute "ein sichtbarer und unverzichtbarer Teil der Stadt". (epd)


Ort: Seetjalk Anne, Liegeplatz am Hafentor im Ratsdelft, Am Delft, 26721 Emden
Die Ausstellung ist täglich außer montags von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Fotos: Karlheinz Krämer


Das Motiv des "Schepken Christi" geht zurück auf die Reformationsgeschichte Emdens, später wurde es im Lauf der Jahrhunderte zum Sinnbild der Evangelisch-reformierten Kirche und zu ihrem Siegel. 1655 stifteten Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden, die im Zuge der Reformationszeit Zuflucht in Emden fanden, der Großen Kirche in Emden das Relief mit dem Schepken als Dank für die Aufnahme in der Stadt. Noch heute ist es am Ostportal der Johannes a Lasco Bibliothek zu sehen.

Das Relief trägt die Inschrift „Godts Kerck vervolgt Verdreven. Heft Godt hyr Trost gegeven” (Gottes Kirche verfolgt, vetrieben. Gott hat hier Trost gegeben). Das Schepken Christi steht für Flucht und Aufnahme, für Vertreibung und Integration - für die Geschichte der Evangelisch-reformierten Kirche.


Die Seetjalk Anne

Für die Feiern des Reformationsjubiläums wird die Seetjalk Anne zum "Schepken Christi". Die Evangelisch-reformierte Kirche und die Stadt Emden haben den Nachbau eines historischen Segelschiffes für das Jahr 2017 beim Verein für historischen Schiffbau in Ostfriesland geachartet.

Beim Stationweg zum Reformationsjubiläum lag die Anne als "Schepken Christi" im Ratsdelft am Hafentor, direkt neben dem Geschichtenmobil - als Symbol für das Motto "Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation - 500 Jahre Migration".

Das Schiff schlägt eine Brücker von der Flucht und Ankunft von Menschen zur Zeit der Reformation zur aktuellen Flucht und Vertreibung, die Europa heute in Atem hält. „Wir haben das Projekt auch ‚Schepken Christi‘ genannt, um zu zeigen wie eng wir als Kirche uns mit der Migration von vor 500 Jahren und der aktuellen Migration verbunden fühlen", betonte Kirchenpräsident Martin Heimbucher beim Stationenweg in Emden.


Der Liegeplatz

Das "Schepken Christ" liegt in Emden im Ratsdelft direkt am Hafentor, nur wenige Schritte von der Johannes a Lasco Bibliothek und dem historischen Rathaus entfernt. Vom 29. bis 31. März stand hier auch das Geschichtenmobil.