Frühjahrssynode 2017

28. bis 29. April 2017

Synodale diskutieren mit Vertretern der Jugend

In Emden hat am Vormitttag Präses Norbert Nordholt die Frühjahrstagung der Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche eröffnet. Erstmals tagen dabei die Synodenmitglieder zusammen mit Vertretern aus der Jugendarbeit und dem theologischen Nachwuchs. „Wir wollen uns im Gespräch zwischen unterschiedlichen Generationen mit Zukunftsfragen der Kirche auseinandersetzen“, so Kirchenpräsident Martin Heimbucher. Die 61 Synodalen, Vertreter aus der Jugendkonferenz und Studierende der Theologie werden sich in Arbeitsgruppen mit Reaktionen auf den 2015 begonnenen Zukunftsprozess beschäftigen.


Bericht des Moderamens der Gesamtsynode

Die Kirche ist immer auch eine Menschenrechtsbewegung

Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen hervorgehoben. Im  Bericht des Moderamens vor der Gesamtsynode bezeichnete Heimbucher diese als eine Errungenschaft der Reformation. „Martin Luther und mit ihm die gesamte Reformation hat deutlich gemacht, dass Buße und Umkehr das ganze Leben der Kirche und aller Glaubenden durchdringen.“ Die Frage nach dem glaubensgemäßen Handeln in der Welt stelle sich immer wieder.

Konkret forderte Heimbucher dazu auf, die europäische Friedensordnung zu verteidigen. „Wir müssen heute überzeugte Europäer sein, die gewonnene Friedensordnung verteidigen und weiter entwickeln - ohne aber zu europäischen Egoisten zu werden", betonte er. Mit Blick auf den Krieg in Syrien, sagte Heimbucher, quäle sich die Kirche mit der Frage, wie die Staatengemeinschaft wirksam Menschen schützen könne, die dem Krieg, dem Terror und dem Völkermorden im eigenen Land schutzlos ausgeliefert seien. Das jüngste militärische Eingreifen der USA werde kaum dazu führen, die Lage für die Menschen dort zu verbessern. Die Kirche werde weiter für den Frieden beten und Initiativen der Versöhnung fördern, "und das eben nicht nur, wenn die Bomben fallen und die Aufmerksamkeit der Welt für einen Moment auf die Region und ihre Konflikte gerichtet ist".

Heimbucher hob die Verantwortung von Christen hervor, wenn Menschen elementare Menschenrechte versagt blieben. Dies gehöre zu den unabdingbaren Prägungen des Glaubens und der europäischen Kultur. "Wenn in unserem Land von manchen eine Abkehr von der selbstkritischen Geschichtsbetrachtung gefordert und im gleichen Atemzug unsere Unzuständigkeit für die Menschen behauptet wird, die vor unserer Haustür sterben, dann ist klar, auf welcher Seite wir als Kirche zu stehen kommen." Sehr erfreulich sei, dass die katholische und die evangelische Kirche sich in dieser Frage einig seien.

Heimbucher erinnerte an den Europäischen Stationenweg zum Reformationsjubiläum in Emden. Das Thema „Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Migration“ habe eine aktuelle Herausforderung benannt. „Bei der Besinnung auf das Schicksal der Flüchtlinge damals und heute wird deutlich: Es ist ein Armutszeugnis für Europa, dass es nicht gelingt, legale Einreisewege nach Europa zu schaffen und die humanitäre Katastrophe auf dem Mittelmeer zu verhindern“, sagte Heimbucher.


Der komplette Bericht des Moderamens als pdf

Der Personalbericht als pdf


Fragestunde zum Thema Kirchenasyl

Vizepräsident Helge Johr hat in der Fragestunde eine Entschließung der Gesamtsynode zum Thema Kirchenasyl angekündigt. Am morgigen Samstag sollen die Synodenmitglieder über einen Antrag einer Arbeitsgruppe entscheiden, der auf eine Anfrage aus der Reformierten Gemeinde Hamburg antwortet. Im Rahmen der Fragestunde hatte der Synodale Rainer Kuhn aus Hamburg eine Positionierung zu Abschiebungen nach Italien und Griechenland sowie zu laufenden Ermittlungsverfahtren gegen Pastorinnen und Pastoren aus Gemeinden mit Kirchenasyl eingefordert.


Gespräch über die Zukunft der Kirche

Am Nachmittag haben die Synodalen das Gespräch mit Vertretern der Jugend über die Zukunft der Evangelisch-reformierten Kirche aufgenommen. Damit hat sich die Synode in ihrer Größe nahzu verdoppelt, zu den 60 Synodenmitgliedern sind etwa 60 Vertreter aus der Jugendkonferenz und aus dem theologischen Nachwuchs dazugekommen.

In sechs Arbeitsgruppen diskutieren sie zentrale Impulse, die aus den Stellungnahmen der Kirchengemeinden und Synodalverbände zum Impulspapier des Moderamens der Gessamtsynode vom Frühjashr 2016 erwachsen sind.

Die Impulsfragen lauten:

  • Mit welchem (reformierten) Profil werden wir in die Zukunft gehen?
  • Wie gehen wir zukünftig mit der Position des Pfarrers/der Pfarrerin um?
  • Wie bleiben wir im Ehrenamt fit?
  • Wie bleiben wir jugendlich, auch wenn wir älter werden?
  • Welchen Werkzeugkasten wollen wir zukünftig unseren Gemeinden an die Hand geben (Stichwort Gemeindeberatung)?
  • Wie werden wir in Zukunft öffentlicher?